Wir brauchen wieder eine Politik aus der Mitte für die Menschen!“

Bayernpartei 11-01-2026, 02:33

Interview mit Heinz Wallner, Landratskandidat der Bayernpartei im Landkreis Traunstein

Heinz Wallner ist Unternehmer, Elektromeister, Fischwirt – und seit über 30 Jahren in der Kommunalpolitik aktiv. Nun kandidiert der 61-Jährige für das Amt des Landrats im oberbayerischen Landkreis Traunstein. Im Gespräch spricht er über seinen Wechsel von der CSU zur Bayernpartei, die Herausforderungen des ländlichen Raums – und warum er in der politischen Mitte eine neue Heimat für Bayern sieht.

Herr Wallner, Sie haben einen langen politischen Weg hinter sich – von der CSU bis zur Bayernpartei. Was hat Sie zu diesem Wechsel bewogen?

Ich war über zwei Jahrzehnte Mitglied der CSU, unter anderem Vorsitzender der Mittelstandsunion im Kreisverband Traunstein, stellvertretender Bezirksvorsitzender der Mittelstandsunion Oberbayern und zehn Jahre stellvertretender CSU-Kreisvorsitzender. Ich habe mich dann aus persönlichen Gründen von der CSU getrennt – aber politisch aufhören wollte ich nicht. Die Bayernpartei ist heute die Kraft, die meine Überzeugungen am ehesten vertritt. Ich wurde dort herzlich aufgenommen und engagiere mich seit 2012 mit voller Überzeugung im Kreisverband Traunstein.

Was hat sich politisch bei Ihnen verändert – und was ist gleich geblieben?

Meine Grundüberzeugungen sind nach wie vor konservativ, heimatverbunden und christlich geprägt. Ich stehe fest zu unseren regionalen Werten und möchte die Interessen der Menschen hier vor Ort vertreten. Insofern hat sich meine politische Haltung nicht verändert – aber ich habe eine neue politische Heimat gefunden, die diesen Werten treu bleibt. Natürlich ist es nicht einfach, von einer großen in eine kleine Partei zu wechseln. Aber wenn man charakterlich gefestigt ist, ist das kein Hindernis.

Was sind aus Ihrer Sicht die drängendsten Herausforderungen für den Landkreis Traunstein?

Die größte Herausforderung liegt ganz klar im Erhalt unserer Kliniken und in der Konsolidierung der Finanzen. Dabei sind uns auf Landkreisebene oft die Hände gebunden – viele Vorgaben kommen aus Berlin oder München. Mein Ziel ist es, die Handlungsspielräume, die wir haben, bestmöglich für unsere Bürgerinnen und Bürger zu nutzen. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Abbau unnötiger Bürokratie. Verordnungen und Gesetze, die keinen Mehrwert bringen, müssen entschlackt werden – natürlich im Rahmen des rechtlich Möglichen.

Wie wollen Sie die medizinische Versorgung im ländlichen Raum sichern?

Wir haben in der Region mit den Klinikstandorten Traunstein, Trostberg, Bad Reichenhall und Berchtesgaden eine grundsätzlich gute Struktur. Ob sich alle Standorte in der bisherigen Form halten lassen, wird die Zukunft zeigen. Aber klar ist: Die medizinische Versorgung hat höchste Priorität. Auch hier sind uns gesetzlich viele Grenzen gesetzt – doch ich werde alles daransetzen, dass unsere Region medizinisch stark bleibt.

Die Landwirtschaft ist ein prägendes Element im Landkreis. Wie wollen Sie die bäuerlichen Betriebe stärken?

Die Landwirte brauchen wieder mehr Vertrauen statt ständiger Kontrolle. Ich setze mich dafür ein, dass gesetzliche Vorgaben so umgesetzt werden, dass sie für die Betriebe auch tragbar sind. Weniger Bürokratie, mehr praxisnahe Unterstützung – das ist der Weg, wie wir unsere bäuerliche Struktur erhalten.

Beim Thema Wohnraum wird häufig von „bezahlbarem Wohnen“ gesprochen. Wie stehen Sie dazu?

„Bezahlbarer Wohnraum“ ist für mich fast ein Unwort – denn Bauen kostet nun mal Geld, genauso wie Grund, Finanzierung und Unterhaltung. Ich halte wenig davon, hier Illusionen zu erzeugen. Was ich befürworte, ist eine gezielte Förderung für Einheimische – etwa durch günstigere Grundstücksvergabe unter bestimmten Bedingungen. Aber die Lösung liegt nicht darin, immer neue Subventionen zu schaffen. Stattdessen sollten wir darüber sprechen, wie wir unsere Arbeitskultur stärken – etwa durch eine höhere Wochenarbeitszeit, wie in der Schweiz. Nur wenn die Wirtschaftskraft stimmt, können sich Menschen auch wieder mehr leisten.

Was planen Sie im Bereich öffentlicher Nahverkehr?

Wir werden nicht jeden Weiler an den ÖPNV anschließen können – das ist unrealistisch. Aber ich sehe großes Potenzial in digitalen Lösungen. Wenn junge Leute in Berlin ein Unternehmen wie Flaschenpost aufbauen, das innerhalb kürzester Zeit liefert, warum sollte so etwas nicht auch im ländlichen Raum für Mobilität gedacht werden? Ich setze auf Innovation, auf kreative Ideen. Wir sollten jungen Menschen dafür Anreize geben – vielleicht sogar Prämien ausloben für intelligente Lösungen im Nahverkehr.

Sie treten für mehr „bayerische Eigenständigkeit“ ein. Was verstehen Sie konkret darunter?

Wir in Bayern haben völlig andere Strukturen und Interessen als etwa Niedersachsen oder Brandenburg. Ich bin ein klarer Verfechter von mehr Eigenstaatlichkeit – etwa bei der Steuerpolitik. Die Erbschaftssteuer gehört meiner Meinung nach abgeschafft. Solche Forderungen stoßen in Berlin oft auf Unverständnis, aber sie sind für uns vor Ort wichtig und gerechtfertigt. Bayern braucht mehr Selbstbestimmung.

Kritiker werfen der Bayernpartei vor, rückwärtsgewandt zu sein. Was entgegnen Sie dem?

Die Bayernpartei ist die älteste Partei Bayerns – sie verkörpert bayerische Identität. Ja, sie hat in der Vergangenheit Fehler gemacht, etwa in den 50er Jahren durch verpasste Reformen. Viele Abgeordnete sind damals zur CSU gewechselt. Heute ist die Parteienlandschaft völlig zersplittert – das halte ich für gefährlich. Wir brauchen wieder eine starke, wertekonservative Kraft der Mitte. Kein radikales Außen, keine Staatspartei – sondern ein realistisches Miteinander.

Wie stehen Sie zur direkten Bürgerbeteiligung?

Ich sehe Bürgerentscheide durchaus kritisch, wenn es um komplexe, langfristige Entscheidungen geht. Solche Prozesse gehören in die Parlamente – dort, wo Fachwissen und Verantwortung zusammenkommen. Aber natürlich müssen Bürgerinnen und Bürger einbezogen werden, etwa über Anhörungen, Gespräche, Beteiligungsverfahren. Der politische Prozess muss transparent sein – aber nicht beliebig.

Was ist Ihre langfristige Vision für den Landkreis Traunstein?

Ich wünsche mir eine Verwaltung, die bürgernah und effizient ist – mit einem Drittel weniger Bürokratie, digitaler, schlanker und verständlicher. Die Nähe zum Bürger muss erhalten bleiben – ob beim Führerscheinantrag oder in der Bauverwaltung. Gleichzeitig müssen wir als Gesellschaft wieder zusammenfinden.

Was wäre für Sie ein Erfolg nach fünf Jahren Amtszeit als Landrat?

Wenn es mir gelingt, gesellschaftliche Gräben zu überwinden – Menschen, die sich an den Rändern verloren haben, wieder in die Mitte zu holen – dann wäre das ein großer Erfolg. Nur mit einer starken Mitte funktioniert unsere Demokratie, unsere Wirtschaft, unser Zusammenleben.

Und was möchten Sie den Wählerinnen und Wählern abschließend mitgeben?

Schauen Sie nicht auf Parteilabels – schauen Sie auf die Menschen, die sich zur Wahl stellen. Was haben sie geleistet? Was bringen sie mit? Wen trauen Sie zu, diesen Landkreis zu führen? Ich bin überzeugt: Wenn wir auf Persönlichkeit und Erfahrung setzen, kommen wir weiter als mit bloßen Parteiparolen.

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